Theorie

Die Menschen werden immer dicker. Schlanke Erwachsene sind heutzutage schon seltene Exemplare, mollige die Regel und richtig dicke ganz alltägliche Erscheinungen. Und das in einer Zeit, da die ganze Welt vom Schlankheits- und Fitnesswahn besessen scheint. Was läuft schief?

Die Ursachen sind hausgemacht: Wir haben uns im Laufe der letzten Jahrhunderte eine Umwelt geschaffen, in der wir immer weniger Energie verbrauchen. Obendrein essen wir mehr als nötig. Aber dicke Bäuche sind alles andere als erstrebenswert – vor allem aus gesundheitlichen Gründen.

Um die epidemische Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit zu stoppen, suchen Wissenschaftler in aller Welt nunmehr schon seit Jahrzehnten nach einer Lösung. Dabei verbreitet das Establishment der „Ernährungsexperten“ seit langem das Dogma, dass fettreiche Kost die Hauptursache für die zunehmende Zahl Übergewichtiger in der Bevölkerung sei. Kohlenhydrate hingegen würden angeblich schlank und fit machen. Entsprechend empfehlen sie, rund 60 Prozent der Kalorien in Form von Kohlenhydraten zu verzehren – manche meinen sogar besser noch wären 70 Prozent. Das solle sogar helfen, Zivilisationskrankheiten vorzubeugen.

Mittlerweile fürchtet sich alle Welt vor Braten und Speck, Sahne, Butter und Käse. Statt dessen essen sie stärkereiches Getreide, Reis und Kartoffeln und diverse daraus hergestellte raffinierte Produkte. Hinzu kommt noch Zucker und mit Zucker Gesüßtes. Diese Nahrungsmittel sind in allen erdenklichen Variationen an jeder Ecke 24 Stunden am Tag für ganz wenig Geld zu haben: Baguette und Brezeln, Cola und Cookies, Kuchen und Keks, Pizza und Pommes. Zucker und Stärke satt! Doch jetzt werden Warnungen laut: Es scheint, als hätte uns ausgerechnet die Kohlenhydratvöllerei den Zivilisationsleiden noch näher gebracht! Je „lighter“ die Menschen aßen, desto fetter wurden sie.

Die Zahl der Übergewichtigen steigt stetig und unaufhaltsam an, auch und gerade dort, wo der Anteil an Fettkalorien sich in den letzten Jahren kontinuierlich verringert hat. Nun essen sie um so mehr Kohlenhydrate. Und in Folge ihrer Gewichtszunahme erkranken immer mehr Menschen an Störungen des Zucker- und Insulinhaushalts: Das Metabolische Syndrom oder auch Syndrom X genannt. Im Laufe der Zeit entwickelt sich daraus Diabetes Mellitus – die „Zuckerkrankheit“. Bis vor wenigen Jahren erkrankten daran vor allem Menschen, die älter als 50 Jahre waren. Heute entwickeln immer mehr Jugendliche schon mit 14, 15 oder 16 diesen so genannten „Altersdiabetes“.

Unser Leben gegen die Gene

Die genetische Ausstattung des Menschen hat sich im Laufe von Hundertausenden Jahren ausgeprägt. Dabei hat der Mensch gelernt in einer sehr kohlenhydratarmen Welt zu bestehen. Er kann diese in ausreichendem Maße selbst herstellen (Glukoneogenese) und er kann aus dem Fettabbau Verbindungen nutzen, die das Hirn hervorragend mit Energie versorgen (Ketonkörper). Nur eines hat er nicht gelernt: die evolutionäre Einheit – Ernährung durch Bewegung – ist auseinander gerissen und macht heftige Probleme.

Zudem sind ausgerechnet Kohlenhydrate zur dominierenden Nahrungsquelle in der industrialisierten Welt geworden. Doch haben unsere Gene eine Chance gehabt, sich dieser biologisch überstürzten Entwicklung anzupassen?

Diese „Steinzeit-These" wird heftig diskutiert. Ob sie stimmt, wird man nie erfahren, denn sie ist nicht erforschbar. Tatsache ist jedenfalls:

Wir tappen in die „Wohlstandsfalle": Viel essen, das Falsche essen und sich dazu nicht mehr bewegen.

Die „Strafe" folgt auf dem Fuß: Syndrom X, das Metabolische Syndrom!